Daten und Systeme

PIM oder DAM: welches System Du wirklich brauchst

Blick senkrecht von oben in eine Schublade, die eine durchgehende Leuchtlinie in Cyan in zwei gleich große Fächer teilt. Links steht ein dicht gepackter Block hochkant stehender Karteikarten, eine davon ist herausgehoben und trägt vier leere Linien. Rechts liegt ein Stapel leerer grauer Fotoabzüge mit hellem Rand, einer davon obenauf. Beide Seiten sind gleich voll und gleich hell, die Leuchtlinie gehört keiner der beiden Seiten. Keine Beschriftung auf Karten oder Abzügen.KI-generiertes Bild

Was ist der Unterschied zwischen PIM und DAM? Die Trennlinie läuft am Datentyp, und sie ist schärfer, als die Anbieter sie zeichnen

Ein PIM verwaltet Produktattribute: Maße, technische Werte, Beschreibungen, Übersetzungen. Ein DAM verwaltet Dateien: Fotos, Renderings, Videos, CAD-Zeichnungen, Datenblätter. Bekommst Du im Katalog die technischen Daten nicht konsistent ausgespielt, brauchst Du ein PIM; findest Du die richtige Produktaufnahme nicht in der aktuellen Fassung, brauchst Du ein DAM. Lässt sich beides von einer Person an einer Stelle pflegen, brauchst Du keines von beiden.

Was macht ein PIM, was macht ein DAM? Zwei Systeme, zwei verschiedene Auslöser

SystemWelche DatenWer damit arbeitetTypischer Auslöser
PIMAttribute am Artikel: Maße, technische Werte, Beschreibungen, Übersetzungen, KanalvariantenProduktmanagement und Vertriebsinnendienst, dazu wer den Katalog verantwortetEin Wert steht im Katalog anders als im Shop, und niemand weiß, welcher stimmt
DAMDateien zum Artikel und um ihn herum: Fotos, Renderings, Videos, CAD-Zeichnungen, fertige DatenblätterMarketing und Agenturen, dazu Händler und Presse von außenEin Katalog oder eine Messe steht an, und die freigegebenen Motive sind nicht auffindbar

Basis: eigene Erfahrung aus Systemauswahl und Datenanbindungen in Kundenprojekten, qualitativ eingeordnet, keine Erhebung. Stand August 2026.

Zwei Männer sitzen einander an einem langen hellen Holztisch gegenüber, jeder vor einem aufgeklappten Laptop, daneben Notizbücher und Kaffeetassen. Hinter ihnen eine raumhohe Fensterfront mit Blick auf Betonfassaden und Bäume.KI-bearbeitetes Foto
Zwei Funktionslisten sehen gleich aus. Der Unterschied zeigt sich, wenn Du beide Systeme an Deinen eigenen Daten vorführen lässt.

Warum ist die Abgrenzung in der Praxis schwierig? Beide Gattungen können ein Stück vom Feld der anderen

Weil die Produkte sich überlappen. Fast jedes PIM kann Dateien an einen Artikel hängen, und fast jedes DAM kann Felder am Asset führen. Beide Anbietergattungen werben deshalb mit Funktionen der jeweils anderen, und wer zwei Angebote nebeneinanderlegt, liest zweimal dieselbe Versprechenliste. Was ein System kann, entscheidet die Frage deshalb nicht.

Als Faustregel gilt, was an einem Artikel hängt, führt das PIM, und was an einer Kampagne hängt, das DAM. Vier Fälle liegen dazwischen und sind trotzdem entscheidbar:

  • Das Produktfoto aus einem Kampagnen-Shooting. Die Datei liegt im DAM, die Verknüpfung zum Artikel steht im PIM. Wird das Motiv ersetzt, ändert sich nur die Datei, die Verknüpfung bleibt.
  • Das Datenblatt als PDF. Die Werte darin kommen aus dem PIM, die erzeugte Datei liegt im DAM. Ändert sich ein Wert, wird das PDF neu erzeugt und nicht von Hand korrigiert.
  • Die übersetzte Produktbeschreibung. Das ist ein Attribut in einer weiteren Sprache und gehört ins PIM, auch wenn sie von derselben Agentur kommt wie die Bilder.
  • Das Video zur Baureihe. Die Datei ins DAM, die Zuordnung zur Baureihe ins PIM. Gilt genauso für Montageanleitungen und Ersatzteillisten.

Dahinter steht eine Regel mit klarer Reichweite: Bei allem, was zu einem Artikel gehört, führt das PIM die Zuordnung, und wo es dazu eine Datei gibt, hält sie das DAM. Was an keinem Artikel hängt, also Messe-, Image- und Kampagnenmaterial, liegt allein im DAM.

Brauche ich ein PIM oder ein DAM? Acht Fragen, und die Auswertung hat vier Ausgänge

Beantworte sie mit Ja oder Nein. Die ersten vier zeigen auf ein PIM, die zweiten vier auf ein DAM.

  1. Pflegst Du dieselben technischen Werte an mehr als einer Stelle, etwa in Katalog, Shop und Preisliste?
  2. Muss ein Produkt in mehreren Sprachen oder je Kanal unterschiedlich beschrieben werden?
  3. Gab es im letzten Jahr eine Rückfrage oder Reklamation, weil irgendwo eine falsche Maßangabe stand?
  4. Wächst die Zahl der Varianten schneller als die Zahl der Leute, die sie pflegen?
  5. Sucht jemand regelmäßig eine Datei, von der er sicher weiß, dass es sie gibt?
  6. Ist im letzten Jahr eine überholte Fassung eines Motivs veröffentlicht oder gedruckt worden?
  7. Muss jemand nachhalten, wie lange ein eingekauftes Motiv noch verwendet werden darf?
  8. Liegen dieselben Bilder in mehreren Auflösungen nebeneinander, ohne dass erkennbar ist, welche gilt?

Zähl die Ja je Gruppe und lies dann die drei Regeln der Reihe nach: Die erste, die zutrifft, gilt. Sie ordnen ein Muster ein und messen nichts.

  1. Zwei oder mehr Ja in beiden Gruppen: Du brauchst beides, und dann entscheidet die Reihenfolge.
  2. Zwei oder mehr Ja in einer Gruppe: Dieses System löst Dein Problem, das andere kannst Du zurückstellen.
  3. Höchstens ein Ja in jeder Gruppe: Keines der beiden Systeme löst Dein Problem.
Strenge Aufsicht in eine flache Ablage, deren Rand die Bildkante bildet. Die Ablage ist durchgehend in schmale senkrechte Fächer geteilt, jedes mit sichtbarer Tiefe. Im linken Drittel stecken Karten aufrecht in den Fächern, dicht an dicht und auf gleicher Höhe abschliessend. Alle Fächer rechts davon sind leer, das Raster läuft unverändert bis zum rechten Bildrand weiter. Quer über den leeren Fächern rechts der Mitte liegt flach und leicht verdreht ein kantengleicher Stapel aus mehreren matten Abzügen; er liegt auf den Trennwänden auf und steckt in keinem Fach. Am unteren Rand sitzt eine Reihe unbeschrifteter Reiter, darüber zieht sich eine dünne cyanfarbene Lichtlinie ohne Unterbrechung über die volle Bildbreite.KI-generiertes Bild
Erst steht die Struktur, dann wandert das Material hinein. Wer die Reihenfolge dreht, sortiert am Ende von Hand nach.

Wenn wir beides brauchen, was kommt zuerst? Das PIM zuerst, weil es die Struktur liefert, an der die Dateien hängen

Die Monatsangaben sind die Reihenfolge der Schritte und ihr Gewicht zueinander, wie wir es aus Systemeinführungen und Datenanbindungen kennen. Gemessene Dauern aus einer abgeschlossenen kombinierten PIM- und DAM-Einführung stehen nicht dahinter, und eine veröffentlichte Erhebung dazu haben wir nicht gefunden: Was es gibt, sind Projektberichte einzelner Anbieter über eigene Einführungen, ohne Artikelzahl, Assetzahl und Zeitraum. Wie lange es bei Dir dauert, treiben zwei zählbare Größen: Artikel mal Pflichtattribute auf der PIM-Seite, die Zahl der Assets auf der DAM-Seite.

  1. Monat 1

    Das Artikelmodell festlegen

    Welche Attribute beschreiben ein Produkt, welche davon sind Pflicht, und was gilt als Variante. Diese Struktur ist der Haken, an dem später jede Datei hängt, deshalb steht sie vor beiden Systemen.

    Ergebnis Eine Attributliste, auf die sich Produktmanagement und Marketing geeinigt haben

  2. Monat 2 bis 4

    Das PIM einführen

    Attribute, Pflichtfelder, Sprachen, Kanäle. Am Ende steht ein Katalogauszug, den niemand von Hand nachbessert.

    Ergebnis Eine Artikelstruktur, gegen die sich Dateien eindeutig zuordnen lassen

  3. Monat 4 bis 5

    Das Metadatenkonzept für das DAM schreiben

    Erst jetzt das zweite System, und zuerst sein Feldmodell. Wer den Altbestand vorher hineinschiebt, nimmt die Unordnung mit und hat sie danach durchsuchbar, aber nicht sortiert. Ein Teil der Felder kommt aus dem PIM und muss dort nicht doppelt entstehen.

    Ergebnis Eine Feldliste, die sagt, welche Angaben aus dem PIM kommen und welche am Asset selbst hängen

  4. ab Monat 5

    Das DAM einführen und anbinden

    Assets migrieren, an die Artikel aus dem PIM hängen, Website und Shop anschließen. Ab hier holt sich jeder Kanal Bild und Wert aus derselben Quelle.

Wann brauche ich weder PIM noch DAM? Solange die Pflege an einer Stelle passiert, trägt eine Ablage

Beide Systeme lösen ein Verteilungsproblem: dieselbe Angabe an mehreren Stellen, dieselbe Datei in mehreren Fassungen. Wo es diese Verteilung nicht gibt, lösen sie nichts und kosten Pflege. Bei überschaubarem Sortiment und einfacher Variantenstruktur reicht häufig eine strukturierte Ablage mit sauberer Namenskonvention, und die ist in Wochen eingerichtet.

  • Ein Kanal, eine Sprache, eine pflegende Person Gehen alle Produktdaten in einen einzigen Katalog und pflegt sie eine Person, gibt es nichts abzugleichen. Zähl nach, an wie vielen Stellen derselbe technische Wert heute steht. Bei einer ist das Thema erledigt. Ab der zweiten muss ihn jemand von Hand nachziehen, und jede weitere Stelle vervielfacht die Gelegenheiten, das zu vergessen. Eine belegte Artikelzahl, ab der ein PIM sich trägt, haben wir nicht, und die kursierenden Zahlen bringen Dich nicht weiter: Je nach Anbieter stehen dort 500, 1.000, 2.000 oder 3.000 Artikel, keine davon mit Fallzahl oder Erhebungsjahr, und mehrere dieser Quellen schreiben selbst dazu, dass die Artikelzahl allein das falsche Kriterium sei.
  • Das Problem ist der Prozess, nicht die Ablage Werden Freigaben nicht erteilt, weil niemand entscheidet, beschleunigt ein System die Warteschlange nicht. Es macht sichtbar, wo sie steht, und das ist ein Nebeneffekt und keine Investitionsbegründung.
  • Es fehlt niemand, der pflegt Beide Systeme kosten laufend Zeit für Attribute und Verschlagwortung. Ist diese Aufgabe nicht namentlich vergeben und mit Stunden hinterlegt, verschiebt eine Einführung das Problem und vergrößert es um eine Lizenz.
Strenge Aufsicht in eine flache dunkle Ablage, deren Rahmen die Bildkante bildet. Die linken zwei Drittel füllt ein feines senkrechtes Fachwerk aus schmalen Schlitzen, alle dicht mit aufrecht stehenden Karten besetzt, die oberen Kanten auf einer gemeinsamen Höhe abschliessend. Am unteren Rand dieser Fläche sitzt eine niedrige Reihe unbeschrifteter Reiter, darunter zieht eine dünne cyanfarbene Lichtlinie ohne Unterbrechung über die volle Breite des Fachwerks. Das rechte Drittel ist ein einziges grosses Fach ohne Unterteilung, ohne Reiter und ohne Lichtlinie. Darin liegen drei niedrige Stapel matter Abzüge, jeder für sich kantengleich ausgerichtet, flach auf dem blanken Fachboden.KI-generiertes Bild
Die Lizenz ist am Tag der Unterschrift bezahlt. Das Erfassen läuft danach weiter und macht die Rechnung.

Was kosten PIM und DAM in der Einführung? Der größere Posten ist in beiden Fällen die Datenarbeit

Beide Systeme kosten dreifach: Lizenz, Einführung, Betrieb. Beim PIM staffelt sich die Lizenz oft zusätzlich nach der Zahl der Artikel oder Kanäle.

Verlässlicher ist die andere Größe. In beiden Projekten liegt der Aufwand nicht in der Software, sondern in den Daten: beim PIM im Aufräumen der Attribute, beim DAM im Metadatenkonzept und in der Verschlagwortung. Diese Arbeit lässt sich nicht einkaufen, weil nur jemand aus dem Haus weiß, was ein Wert bedeutet und wofür ein Motiv gedacht war.

Wie eine DAM-Einführung im Einzelnen abläuft, was sie an Phasen umfasst und woran solche Projekte scheitern, steht in DAM-System einführen. Für das PIM gilt derselbe Aufbau, nur dass an die Stelle des Metadatenkonzepts das Attributmodell tritt.

Ein vierter Posten hängt an keiner der beiden Lizenzen: die Anbindung an Website und Shop. Sie ist ein eigenes Vorhaben mit eigener Anbieterfrage, und die entscheidest Du getrennt vom System. Woran Du den passenden Anbietertyp erkennst, steht in Agentur, Softwarehaus oder Freelancer.

Robin Neu-Breitmayer
Über den Autor Robin Neu-Breitmayer Marketing & IT

Robin Neu-Breitmayer verantwortet bei Sellerate die Schnittstelle zwischen Marketing und IT. Er baut Content- und Kampagnen-Prozesse und übersetzt Vertriebsthemen in verständliche Inhalte. Auf der IT-Seite begleitet er Web- und Systemprojekte: welche Werkzeuge zusammenpassen, wo Daten liegen und was eine Anbindung an bestehende Systeme im Aufwand bedeutet. Was in der Praxis funktioniert, testet er an den eigenen Kampagnen und Projekten.

Content Marketing Brand Identity IT & Marketing

Häufige Fragen

Die meisten können Dateien an einen Artikel hängen, und bei wenigen Produktbildern je Artikel reicht das. Es fehlen drei Dinge: automatisch erzeugte Fassungen für Web und Druck, Nutzungsrechte mit Ablaufdatum am Asset und ein Platz für alles, was an keinem Artikel hängt. Messe-, Image- und Kampagnenmaterial fällt genau in die letzte Lücke.

Sie führen andere. Im ERP stehen die kaufmännischen Daten, also Artikelnummer, Preis, Bestand und Lieferzeit. Im Shop steht, wie ein Produkt dort dargestellt wird. Die beschreibenden Attribute liegen dazwischen und meist in keinem von beiden vollständig, sondern verteilt auf Tabellen und Köpfe. Genau diese Lücke füllt ein PIM, und deshalb ersetzt es weder ERP noch Shop.

Für eine überschaubare Zahl von Artikeln mit wenigen Attributen ja, und das ist keine Verlegenheitslösung. Die Grenze ist erreicht, sobald zwei Leute gleichzeitig pflegen, sobald ein Wert je Kanal unterschiedlich lauten muss oder sobald jemand nachvollziehen können soll, wer eine Angabe wann geändert hat. Freigaben und Änderungshistorie sind die Funktionen, an denen eine Tabelle zuerst scheitert.

Dateichaos oder Attributchaos?

Zeig uns einen Katalogauszug und einen Ordner mit Produktbildern. Danach weißt Du, welches der beiden Systeme Dein Problem löst und ob Du überhaupt eines brauchst. Dauert 30 Minuten.

Christian KaizikKI-bearbeitetes Foto
Christian Kaizik Geschäftsführung