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ChatGPT-Prompts für den Vertrieb: fünf, die ich benutze, und was nicht hineingehört

Tariq Baig
Systeme & AutomatisierungTariq Baig

Prompt-Sammlungen für den Vertrieb gibt es genug, meistens mit einer Zahl im Titel. Was fast keine von ihnen dazuschreibt: wo ChatGPT zuverlässig danebenliegt und welche Daten Du ihm nicht geben darfst. Hier stehen fünf Prompts entlang des Ablaufs, dazu beides.

Ich betreibe bei Sellerate die KI-gestützten Teile unserer Vertriebsprozesse und arbeite dort mit fünf Prompts. Prompt-Sammlungen für die Kaltakquise tragen meistens eine Zahl im Titel, selten eine kleiner als fünfzig.

Das Problem ist nicht die Menge. Es ist, dass fast keine von ihnen zwei Dinge dazuschreibt: wo das Modell zuverlässig Unsinn produziert, und was Du ihm auf keinen Fall in das Eingabefeld kippst. Beides steht hier, dazu die fünf Prompts. Ein Erfahrungsbericht ist das nicht: Die Fehlerliste weiter unten ist die Reihenfolge, in der ich einen Entwurf durchgehe.

Vorweg die Grenze, die bei uns feststeht: Was ChatGPT für uns tut, ist Vorarbeit. Unterlagen zusammentragen, Satzmaterial für eine Nachricht liefern, eine Formulierung glätten. Die Nachricht an einen Entscheider schreibt ein Mensch, und er hat sie gelesen, bevor sie rausgeht. Warum wir diese Übergabe früher legen als die meisten, steht in AI-SDR im Reality-Check.

Ein brauchbarer Prompt hat vier Teile

Das Gerüst hinter allen fünf Beispielen unten:

  • Die Aufgabe. Nicht „hilf mir bei der Akquise", sondern „fasse zusammen", „nenne drei", „formuliere".
  • Das Material. Der Text, mit dem gearbeitet werden soll. Fehlt er, greift das Modell auf sein Training zurück, und daher kommen fast alle Fehler unten.
  • Das Format. Länge, Anzahl, Anrede. Sonst wechselt das Modell zwischen Du und Sie, manchmal innerhalb einer Nachricht.
  • Das Verbot. Keine Zahlen und keine Angaben über die Firma, die nicht im Material stehen.
Grafik mit dem Titel Ein Prompt in vier Teilen: vier nummerierte Karten nebeneinander. Karte 1 Aufgabe, darunter Was herauskommen soll. Karte 2 Material, darunter Der Text, der rein muss. Karte 3 Format, darunter Länge, Anzahl, Anrede. Karte 4 Verbot, darunter Nichts, was nicht im Material steht. Fußzeile: Teil 4 fehlt in fast jeder Prompt-Sammlung
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Der vierte Teil ist der wichtigste und der, den die Sammlungen weglassen. Ein Sprachmodell gibt eine Lücke nicht von selbst als Lücke aus, es füllt sie. Dass es sie offenlassen darf, musst Du hinschreiben. Wer das nicht tut, bekommt eine glatte, vollständige, teilweise erfundene Antwort.

Fünf Prompts entlang des Ablaufs

1. Vorbereitung: was öffentlich über die Firma steht

Alles in eckigen Klammern setzt Du vorher ein, hier öffentliches Firmenmaterial, keine Personendaten.

Vorbereitung. Hier ist Material über ein Unternehmen, mit dem ich Kontakt aufnehmen will: [Text der Über-uns-Seite, der Leistungsseiten, der letzten Meldungen und der offenen Stellenanzeigen].

Fasse in höchstens acht Stichpunkten zusammen: Was verkauft das Unternehmen an wen, was hat sich in den letzten zwölf Monaten verändert, welche Bereiche stellen gerade ein.

Verwende ausschließlich das Material oben. Was dort nicht steht, bleibt weg. Schreibe nicht, was in der Branche üblich oder wahrscheinlich ist.

Der letzte Absatz macht den Unterschied. Ohne ihn ergänzt das Modell, was ein Unternehmen dieser Größe typischerweise tut, und mischt es unter das, was dastand.

2. Aus dem Material einen Anlass machen

Ein Erstkontakt ohne Anlass ist austauschbar. Bei uns kommt der Anlass häufig aus einem Jobwechsel: Wir suchen Entscheider, die in den letzten 90 Tagen eine neue Position angetreten haben.

Anlass. Hier ist die Zusammenfassung eines Unternehmens: [Ergebnis aus Schritt 1]. Ich verkaufe: [Dein Angebot in zwei Sätzen].

Nenne höchstens drei mögliche Anlässe für einen Erstkontakt, jeder in einem Satz, jeder mit der Stelle im Material, aus der er stammt.

Sortiere nach Belegbarkeit: zuerst der Anlass aus einer datierten Angabe (Stellenanzeige, Meldung, Personalwechsel), zuletzt der mit der ältesten oder unschärfsten Fundstelle.

Anlässe ohne Fundstelle im Material bleiben weg. Gibt das Material weniger als drei her, nenne weniger.

Die Sortierung zwingt das Modell, seinen schwächsten Anlass selbst nach unten zu stellen, statt ihn zwischen die belegten zu mischen. Das höchstens nimmt ihm den Druck, den dritten Platz überhaupt zu besetzen: Oft kommen nur zwei zurück, und genau das ist das gewünschte Ergebnis.

3. Satzmaterial für die Ansprache

Hier liefert das Modell nicht die Nachricht, sondern das Material dafür. Wie ein Erstkontakt aufgebaut ist, steht in Kaltakquise-Skript B2B: drei Vorlagen.

Ansprache. Anlass: [Ergebnis aus Schritt 2]. Ich verkaufe: [Dein Angebot in zwei Sätzen].

Schreibe drei Varianten einer ersten Nachricht, je höchstens 90 Wörter, durchgehend in der Sie-Form.

Jede Variante nennt den Anlass im ersten Satz, stellt danach eine offene Frage zum Ist-Zustand und schlägt am Ende einen Termin mit Dauer vor.

Kein Nutzenversprechen, keine Adjektive über mein Angebot, keine Zahlen, die oben nicht stehen.

Die Sie-Form muss dastehen, sonst duzt das Modell unzuverlässig. Die drei Varianten sind kein Auswahlmenü: Ich nehme aus jeder den einen Satz, der trägt, und schreibe die Nachricht daraus neu.

4. Einwände, bevor sie kommen

Den lasse ich einmal je Zielgruppe laufen, nicht vor jedem Kontakt, und nur mit Einwänden, die wirklich gefallen sind. Ohne dieses Material kommt eine Durchschnittsliste aus dem Trainingsstand zurück, also genau die Sorte Aussage, die unten als dritte Fehlerart steht. Wer noch keine Gespräche geführt hat, schreibt am ersten Gesprächstag mit, was wörtlich kam.

Einwände. Ich verkaufe [Dein Angebot in zwei Sätzen] an [Funktion, Branche, Unternehmensgröße]. Hier sind Einwände, die ich in meinen letzten Gesprächen wörtlich gehört habe: [Deine Notizen].

Ordne sie nach Häufigkeit und mache aus jedem einen vollständigen Satz in der Sie-Form, ohne ein Wort auszutauschen, das in meinen Notizen steht.

Schreibe zu jedem Einwand eine Frage, mit der ich herausfinde, was dahintersteckt.

Keine Antworten, keine Gegenargumente, keine Formulierungsvorschläge für mich. Ergänze keinen Einwand, der in meinen Notizen nicht steht.

Das Verbot am Ende ist Absicht. Auswendig gelernte Einwandantworten hört man am Tonfall, und im Erstgespräch geht es nicht ums Gewinnen, sondern ums Verstehen. „Zu teuer" heißt selten zu teuer.

5. Nachbereitung: aus Stichworten wird ein Eintrag

Nachbereitung. Hier sind meine Stichworte aus einem Gespräch: [Deine eigenen Notizen, ohne Namen und ohne Transkript].

Mache daraus drei Sätze Zusammenfassung, den vereinbarten nächsten Schritt mit Datum und die offenen Fragen als Liste. Steht in den Stichworten nur eine relative Angabe, gib sie wörtlich wieder.

Was in den Stichworten nicht steht, bleibt weg. Fehlt ein nächster Schritt, schreibe: nicht vereinbart.

Die letzte Zeile brauche ich am häufigsten. Ein Modell, das keinen nächsten Schritt findet, erfindet einen, und drei Wochen später steht im System ein Folgetermin, den nie jemand vereinbart hat.

Wo ChatGPT zuverlässig Quatsch macht

Ein an einer Halterung hochkant eingespanntes Blatt Papier auf einem dunklen Schreibtisch, oben ein Kopfblock aus drei schwarzen Balken über einer Trennlinie, darunter zwei Spalten, deren Textzeilen als schwarze Balken erscheinen, mit zwei von Hand markierten Stellen: einem umrandeten Absatz in der linken Spalte und einer unterstrichenen Zeile in der rechten. Rechts daneben ein Bildschirm, der eine Antwort als graue Balken auf dunklem Grund zeigt, darunter ein türkiser Lichtstreifen, vorn ein Stift auf der Tischplatte
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Fünf Fehlerarten. Alle sehen im Text harmlos aus, das ist ihr gemeinsames Merkmal.

Erfundene Angaben über die Firma. Standorte, Mitarbeiterzahlen, Produktlinien, Zertifizierungen. Eine Erfindung sieht nicht falsch aus, sie sieht vollständig aus: rund, plausibel und ohne Datum. Erkennen kannst Du sie nur daran, dass Du sie nicht selbst hineingegeben hast.

Ansprechpartner, die es nicht mehr gibt. Namen und Funktionen veralten schneller als alles andere im Trainingsstand. Der genannte Geschäftsführer war einmal Geschäftsführer, nur eben vor drei Jahren. Name und Funktion holst Du aus dem Impressum, aus LinkedIn oder aus der Zentrale, nie aus dem Modell.

Zahlen ohne Quelle. „In Ihrer Branche liegen die Angebotsdurchlaufzeiten typischerweise bei vier bis fünf Tagen." Das Erkennungszeichen sind die Wörter davor: typischerweise, in der Regel, branchenüblich, im Schnitt, und keine Quelle daneben. Ich streiche die Zahl und mache eine Frage daraus: „Wie lange dauert das bei Ihnen?" trägt weiter als eine Zahl, die danebenliegt.

Nutzenversprechen, die auf jeden zweiten Anbieter passen. Effizienzsteigerung, Prozessoptimierung, mehr Transparenz. Der Test dauert zehn Sekunden: Setz gedanklich den Namen Deines schärfsten Wettbewerbers in den Satz ein. Stimmt er weiterhin, sagt er nichts über Dich.

Behauptungen über den Wettbewerb. Sätze, die mit „Anders als [Anbieter]" anfangen, sind die gefährlichsten dieser Liste. Das Modell kennt weder die aktuellen Preise noch den aktuellen Funktionsumfang des anderen, es mischt Marketingtexte mit Forenmeinungen. Zwei Gründe zu streichen: Es stimmt oft nicht, und vergleichende Werbung ist im Wettbewerbsrecht an Bedingungen geknüpft. Der Wettbewerber liest Deine Mail spätestens, wenn ein gemeinsamer Interessent sie weiterleitet.

Was nicht in das Eingabefeld gehört

Alles, was Du in ein Chatfenster tippst, verlässt Dein Haus und liegt bei einem Dienstleister. Die Frage ist deshalb nicht, ob KI im Vertrieb erlaubt ist, sondern unter welchem Vertrag Du sie benutzt.

Grafik mit dem Titel Was in den Prompt darf: zwei Spalten. Links unter der Überschrift Darf rein stehen Öffentliches Firmenmaterial, Website und Meldungen, Stellenanzeigen, Rolle statt Name, Eigene Stichworte. Rechts unter der Überschrift Bleibt draußen stehen Namen und Kontaktdaten, Mitschnitte und Transkripte, CRM-Exporte, Kundenverträge, Unter Geheimhaltung. Fußzeile: Ein Auftragsverarbeitungsvertrag holt nicht jede Zeile nach links
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Ein privates ChatGPT-Konto ist für Firmendaten das falsche Werkzeug: Verarbeitet ein Dienstleister personenbezogene Daten in Deinem Auftrag, verlangt Artikel 28 DSGVO dafür einen Auftragsverarbeitungsvertrag. Ein Konto, das auf Deine private Adresse läuft und das Du selbst bezahlst, hat keinen. OpenAI schließt einen solchen Vertrag für ChatGPT Business, ChatGPT Enterprise und die API-Plattform ab. Dort sind Eingaben standardmäßig vom Training der Modelle ausgenommen, bei den Konten für Privatpersonen nicht. Das ist der Stand vom 8. Januar 2026; OpenAI datiert seine Datenschutzseite für Unternehmen, den heutigen Stand siehst Du also dort.

Die Frage an Deine IT lautet: Läuft das über ein Firmenkonto mit unterschriebenem Auftragsverarbeitungsvertrag, und steht darin, was mit unseren Eingaben passiert? Der Tarif entscheidet nur darüber, ob dieser Vertrag überhaupt angeboten wird. Wer ihn nicht zeigen kann, hat keinen.

Ohne diesen Vertrag bleibt alles Folgende draußen. Drei Punkte bleiben es auch mit Vertrag, weil sie nicht am Dienstleister hängen, sondern an einer Zusage gegenüber jemand anderem: der Mitschnitt, die Vertragsdaten Deiner Kunden und alles unter Geheimhaltung.

  • Namen, Nummern und Adressen von Menschen, die nichts davon wissen.
  • Gesprächsmitschnitte und Transkripte. Aufnehmen darfst Du nur mit Einwilligung, dazu steht das Nötige in KI-Gesprächsanalyse im Vertrieb. Diese Einwilligung deckt nicht automatisch, dass die Aufnahme anschließend in ein weiteres Werkzeug wandert. Wer auswerten will, nimmt das in die Einwilligung mit auf.
  • CRM-Exporte. Eine Datei mit 400 Kontakten in das Eingabefeld zu ziehen, ist der bequemste Handgriff in diesem Text und der teuerste.
  • Vertragsdaten Deiner Kunden. Konditionen, Rabattstaffeln, Laufzeiten: fremde Geschäftsgeheimnisse, die Du treuhänderisch hältst.
  • Alles unter Geheimhaltung. Eine Verschwiegenheitsvereinbarung fragt nicht danach, wie gut das Werkzeug ist, in das Du den Text kopierst.

Anonymisieren kostet fast nichts. Öffentliches Firmenmaterial ist unkritisch, kritisch ist der Mensch dahinter, und den brauchst Du für keinen der Prompts: Aus „Herr Berger, Vertriebsleitung, seit Januar im Amt" wird „Vertriebsleitung, seit drei Monaten im Amt", und die Antwort ist dieselbe.

Kläre das einmal für die ganze Mannschaft, nicht pro Person. Sonst entscheidet jeder SDR für sich, und Du erfährst davon, wenn es zu spät ist.

Die Regel dahinter passt in einen Satz: Das Modell darf alles anfassen, was ich ihm selbst gegeben habe, und nichts behaupten, was nicht darin steht. Wo KI im Vertrieb sonst noch trägt und wo nicht, steht im Überblick Künstliche Intelligenz im Vertrieb. Falls Du das nicht selbst über Monate einschleifen willst: Genau diese Arbeit machen unsere Sales Development Representatives (SDRs) für Kunden, mit derselben Grenze davor.

Diesen Beitrag verantwortet Tariq Baig redaktionell. KI-Werkzeuge setzen wir für Recherche und Grafiken ein, die inhaltliche Prüfung machen Menschen. Wie wir KI einsetzen

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Über den Autor Tariq Baig Systeme & Automatisierung

Tariq Baig verantwortet bei Sellerate Systeme, CRM und Automatisierung. Er baut die technische Infrastruktur von HubSpot bis zu den KI-gestützten Vertriebsprozessen und kennt die Praxis hinter Themen wie CRM-Einrichtung, Automatisierung und KI-Gesprächsanalyse aus erster Hand, weil er die Tools bei Sellerate selbst betreibt.

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